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Der Präsident des LSB M-V Andreas Bluhm über den Sport in M-V in Zeiten der Corona-Pandemie


Die letzten 20 Monate waren vor allem durch die Corona-Pandemie geprägt, die auch den Sport in negativer Weise erheblich beeinflusste. Monatelang konnten Kinder bzw. Jugendliche ihrer sportlichen Aktivität nicht frönen, ob in der Schule, im Verein oder in einem Sportzentrum. Ähnliches galt für Breitensportler, Seniorensportler oder teilweise Leistungssportler. Seit Juli nahm auch der "sportliche Betrieb" in der Landeshauptstadt, wie in ganz M-V, so richtig wieder an Fahrt auf, konnten Wettkämpfe, Trainingslager stattfinden, Schulsport ist wieder möglich. Anfang August gab es in Schwerin-Mueß die Sportlerehrung der Stadt Schwerin, gemeinsam mit dem Stadtsportbund Schwerin. Der Fünf-Seen-Lauf, das Schloss-Schwimmen oder Liga-Spiele in einigen Ballsportarten, um nur drei Beispiele zu nennen, stehen und standen bereits wieder auf dem Programm. Die vierte Corona-Welle führt nun allerdings wieder zu Einschränkungen - auch im Sportbereich.

 

Wie beurteilt nun Andreas Bluhm, wieder gewählter LSB-Präsident, die aktuelle sportliche Situation und Entwicklung in Schwerin und in ganz M-V?!

 

Andreas Bluhm über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Sport in M-V, die gegenwärtige pandemiebedingte Situation Ende 2021, die Spiele 2021 in Tokyo, über weitere Zielsetzungen und Paris 2024

 

"Müssen die Corona-Folgen im organisierten Sport überwinden..."

 

Frage: 20 Monate Corona - welche Auswirkungen hatte diese auf den Sport in Schwerin und ganz M-V?

 

Andreas Bluhm: Erstmals in der über dreißigjährigen Geschichte des Landessportbundes MV mussten wir Anfang 2021 einen Mitgliederrückgang für 2020 feststellen. Im Vergleich zu anderen Landessportbünden waren das mit knapp 1,2 Prozent relativ wenig, aber in den Vereinen, Sportarten und Altersgruppen war das Bild schon sehr differenziert. Vor allem Kinder fanden nicht den Weg in unsere Vereine, denn es gab ja auch keine Sportangebote während der Lockdowns. Der Sport war in den vergangenen 21 Monaten über 10 Monate komplett lahmgelegt und das blieb nicht ohne Auswirkungen auf den verschiedensten Gebieten. Durch viel Kreativität und Engagement gelang es, die Mitglieder in den Vereinen zu halten und die Vereinsstrukturen zu erhalten. Mir ist kein Fall bekannt, wo sich wegen Corona ein Verein aufgelöst hat. Für diese großartige Leistung gebührt allen, die ehren- und hauptamtlich in der Sportfamilie unterwegs sind, ein großes Dankeschön und Anerkennung. Und die Ermunterung und Bitte, das auch weiterhin so zu halten, denn wir sind ja immer noch nicht durch mit diesem Virus.

 

Frage: Wie stellt sich die Situation derzeit in M-V dar - speziell im Kinder- bzw. Jugendsport, im Seniorensport und im Breitensport?

 

Andreas Bluhm: Ende Mai diesen Jahres fand der Sportgipfel mit der Landesregierung statt und in seinem Ergebnis begann Anfang Juni 2021 wieder schrittweise der Sport bei uns im Lande. Sommer und Herbst waren geprägt von den lang ersehnten Trainingseinheiten und Wettkämpfen, immer auch noch unter Berücksichtigung von Hygiene- und Vermeidungs-Regeln. Manchmal keimte die Hoffnung, dass die Normalität wieder Einzug halten würde, aber mittlerweile stecken wir in der vierten Welle der Pandemie mit so hohen Fallzahlen wie noch nie. Es war so schön zu erleben, mit welchem Bewegungsdrang, mit welch großer Freude insbesondere die Kinder und Jugendlichen sich ihre sportliche Bestätigung zurückholten. Die oft zu hörende Schlussfolgerung war, dass es möglichst keine Einschränkungen mehr für diese Altersgruppen geben soll. Leider ist es mittlerweile aber wieder so, dass der Schulsport im Innenbereich nicht mehr stattfinden darf, dass trotz spezifischer Regelungen für die Mädchen und Jungen immer mehr Angebote im Vereinssport nicht mehr realisiert werden dürfen. Vieles ähnelt, wie auch im Senioren- und Breitensport, den Entscheidungen vom November 2020. Wieder sind es vor allem die Kinder und Jugendlichen, die unter der niedrigen Impfquote zu leiden haben. Dabei ist gerade für junge Menschen die Bewegung und der Sport elementar für eine ganzheitliche gesunde Entwicklung. Wir als Sport fordern erneut alle noch nicht Geimpften auf, sich zu ihrem eigenen Schutz und in Verantwortung für die gesamte Gesellschaft impfen zu lassen.

 

Frage: Im Sommer standen Fußball-EM und die Olympischen bzw. Paralympischen Spiele in Tokyo auf der Agenda. Wie beurteilen Sie persönlich die Bilanz aus deutscher und MV-Blickwinkel?

 

Andreas Bluhm: Natürlich ist es das Ziel einer Sportlerin oder eines Sportlers, bei bedeutenden internationalen Wettkämpfen dabei zu sein und bestmögliche Ergebnisse zu erreichen, vor allem bei Olympischen oder Paralympischen Spielen. Diese Corona-Spiele waren für alle besonders, nicht nur wegen der einjährigen Verspätung und der Wettkämpfe ohne Zuschauer. Nicht alles klappte, manchmal war es Pech oder einfach "der Wurm drin". Aber die Qualifikation selbst ist meines Erachtens schon ein großer Erfolg für jeden Einzelnen. Wir freuen uns natürlich sehr mit den Medaillengewinnern aus MV. Aber die Gesamtergebnisse machen auch deutlich, dass die Leistungssportreform noch nicht zu einer Trendwende im deutschen Sport geführt hat. Andere Nationen schlafen nicht, holen auf. Es wird schwieriger und noch mehr als bisher müssen die Rahmenbedingungen für die Sportlerinnen und Sportler stimmen, von der Trainingsstätte über die Trainerinnen und Trainer, die Qualität der Trainingsgruppe, die Sicherung der Einheit von sportlicher und beruflicher Laufbahn und die soziale Sicherung für Athletinnen und Athleten – auf der Ebene des Bundes wie auch im Land. Das wird für Paris 2024 kaum noch zu Ergebnissen führen, sind es doch nur noch zweieinhalb Jahre. Wir hoffen, dass wir als MV aber zumindest mit etwa der gleichen Anzahl von Sportlerinnen und Sportlern bei den Wettkämpfen in Paris dabei sind.

 

Frage: Sie wurden gerade, im November 2021, als Präsident des LSB M-V wieder gewählt. Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?

 

Andreas Bluhm: Im Mittelpunkt steht zuerst natürlich die Überwindung der Corona-Folgen im organisierten Sport. Dann brauchen wir künftig mehr Bewegungsangebote des Sports für Kinder und Jugendliche, nicht zuletzt wegen der Übergänge zu Ganztagsangeboten auch im Grundschulbereich. Dafür sind mehr Übungsleiterinnen und Übungsleiter notwendig und die Schule muss sich wieder stärker der Bewegung für Mädchen und Jungen öffnen. Sportstättenbauförderung, Abbau von Förderbürokratie, die Stärkung des Breiten- und Gesundheitssports sind Herausforderungen, die allesamt nur zu meistern sind, wenn die gesellschaftliche Bedeutung des Sports wieder besser verstanden und in politischen Entscheidungen auf allen Ebenen umgesetzt wird.

 

Letzte Frage: 2022 ist ein Jahr vieler EM bzw. WM in den olympischen Sportarten. Auch die Olympischen Winterspiele in Peking und die Fußball-WM in Katar stehen auf dem Programm. Welche Erwartungen und Hoffnungen verbinden Sie mit dem Sportjahr 2022?

 

Andreas Bluhm: Zunächst habe ich die Hoffnung, dass es möglichst schnell gelingt, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen, denn sie gefährdet nicht nur den Sport, sondern viele andere Bereiche unseres Lebens. Daran knüpft sich die Hoffnung an, dass es uns als großer Sportfamilie gelingt, die eingetretenen bzw. noch eintretenden Verwerfungen im Sport in den Griff zu bekommen und dann auch gestärkt aus diesem notwendigen Aufholprozess hervorzugehen. Und ich habe die Hoffnung, dass es uns allen zudem gelingt, zurückzukehren zu einem vielseitigen, interessanten und anregenden Vereinsleben in allen unseren Sportvereinen, denn das macht den Sport im Lande aus. Dann können wir uns auch von emotionalen Momenten und sportlichen Leistungen auf internationaler Ebene inspirieren und motivieren lassen – zu Wohle des Sports bei uns in Mecklenburg-Vorpommern.

 

Vielen Dank und weiterhin alles erdenklich Gute!

 

Die Fragen stellte: Marko Michels.

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