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Den Bobsport im Blick / Nachgefragt bei der deutschen Erfolgsbobsportlerin Laura Nolte / Auch ein Wahl-Schweriner war schon auf großer olympischer Bob-Fahrt


Fast ein Vierteljahrhundert ist es her, als ein ehemaliger Wahl-Schweriner und einstiges Zehnkampf-Ass durch den olympischen Eiskanal 1998 in Nagano raste. Torsten Voss wurde mit dem Vierer-Bob des Piloten Harald Czudaj immerhin Achter...

 

1998 ist zudem ein besonderes Jahr, denn die derzeitige deutsche Erfolgsbobfahrerin Laura Nolte wurde in jenem Jahr geboren. Seit 2015 ist die Athletin des BSC Winterberg begeisterte Bobsportlerin und erkämpfte seitdem zahlreiche Erfolge und Medaillen. So wurde Laura bereits 2016 Siegerin mit dem Monobob bei den Olympischen Jugend-Winterspielen 2016 in Lillehammer und beeindruckte in den letzten fünf Jahren auch bei EM und WM im Junioren- wie Elite-Bereich.

 

Aktuell, im vorolympischen Wintersport-Jahr 2021, schaffte die Studentin der Wirtschaftspsychologie und Sportsoldatin zweimal WM-Bronze (Zweier, Mono) in Altenberg, EM-Gold (Zweier) in Winterberg, Junioren-WM-Gold (Zweier) in Sankt Moritz und überzeugte auch beim Weltcup-Auftakt 2021/22 mit Rang eins in Innsbruck.

 

Was erhofft sich die ambitionierte Bobsportlerin nun von Winter-Olympia in Peking?!

 

Laura Nolte über Vergangenes und Kommendes in puncto Bobsport

 

„Man muss zu 100 Prozent fokussiert sein!“

 

Frage: Laura, der Weltcup-Auftakt 2021/22 verlief für Sie ausgezeichnet. Was sind Ihre Ziele bei den Großereignissen der olympischen Saison 2021/22?

 

Laura Nolte: Mit dem Auftakt sind wir erst einmal total zufrieden und ich hoffe, dass es in dieser Saison so weiter geht, wir die guten Ergebnisse bestätigen und zeigen können, dass wir die Vor-Nominierung verdienten und dass es auch im Monobob immer weiter bergauf geht. Nicht zuletzt möchten wir „gesund und munter“ zu den Olympischen Winterspielen und dort eine erfolgreiche Zeit haben.

 

Frage: Peking ist nach den Sommerspielen 2008 nun Austragungsort der Winterspiele 2022 - wie Nagano 1998, Sotschi 2014 oder Pyeongchang 2018 nicht gerade ein Ort mit wintersportlicher Tradition. Wie ist Ihre Meinung zum Austragungsort Peking? Was erhoffen Sie sich von den Winterspielen 2022?

 

Laura Nolte: Ich finde, es ist nicht der historisch begründete Wintersport- und sicher auch nicht der beste Austragungsort, auch vor dem Hintergrund einiger aktueller Entwicklungen. Es müsste allerdings seitens des IOC eine andere Vor-Auswahl bzw. letztendlich Auswahl getroffen werden. Die Entscheidung für Peking ist nun einmal gefallen und wir fahren auch dorthin. Im dreieinhalbwöchigen Trainingslager vor Ort hatten wir insgesamt eine coole Zeit, wenngleich es aufgrund der verschiedenen Corona-Maßnahmen etwas „verrückt“ war. Von „Land und Leuten“ bekamen wir nicht viel mit, aber die Bahn ist „mega“ zum Bobfahren. Und da wir vor allem auf den Sport fokussiert waren, bekamen wir vom Drumherum ohnehin nicht sehr viel mit. … Von der Atmosphäre und von der Stimmung werden es sicher „andere Winterspiele“, aber ich war ja noch nicht bei anderen Winterspielen. Bestimmt wird es jedoch bei kommenden Winterspielen diesbezüglich eine Steigerung geben.

 

Frage: Zu Ihrem Weg zum Bobsport... Was war für Sie der Beweggrund, es mit dem Bobsport zu versuchen? Was begeistert sie an dieser Sportart ganz persönlich?

 

Laura Nolte: Ich hatte vorher Leichtathletik betrieben und wurde von ein paar Bobfahrern, die in Dortmund trainierten, angesprochen, ob ich nicht zum Anschub-Training mitkommen wolle. Ich habe es mir dann angeschaut und es hat mir total Spass gemacht. - Für mich ist das Besondere am Bobsport die spezielle Kombination aus Adrenalin am Start und der Konzentration während der Fahrt. Da muss man wirklich zu 100 Prozent fokussiert sein. Es ist zudem eine sehr abwechslungsreiche Sportart. Wir haben jede Woche eine andere Bahn. Jede ist dabei anders und hat ihre Tücken. Jedes Startprofil ist unterschiedlich. Hinzu kommt, dass Bobfahren eine Teamsportart ist. Das macht wesentlich mehr Spass als nur „Solistin“ zu sein.

 

Frage: Mit Deborah Levi bilden sie ein Erfolgs-Duo im Zweier-Bob. Haben Sie und Leonie sich gesucht und gefunden? Wie ist das Verständnis untereinander?

 

Laura Nolte: Ja, es ist tatsächlich so, dass wir uns „gesucht und gefunden“ haben! Debbie und ich fahren jetzt schon einige Jahre zusammen und es war letztendlich so, dass ich seinerzeit eine Anschieberin gesucht hatte. Bei ihr, auch als Leichtathletin, lief es nicht so gut und sie suchte ebenfalls eine neue Herausforderung. Es passte von Anfang an sehr gut, wir verstanden uns, verstehen uns immer noch und sind auch privat befreundet, haben stets viel Spass zusammen, was letztendlich auch der Schlüssel für unseren Erfolg ist.

 

Frage: Wie sieht ansonsten Ihr Leben neben dem Bobsport aus?

 

Laura Nolte: Ein Leben neben dem Bobsport gibt es natürlich! Ich studiere Wirtschaftspsychologie an der Uni Bochum. Wenn ich jedoch nicht gerade beim Studieren oder Bobfahren bin, verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie und mit meinen Freunden. Außerdem mag ich es zu reisen, wenngleich es coronabedingt aktuell ja schwierig ist. Ansonsten bleibt nicht viel Zeit für ausgefallene Hobbys. Die Studien erfolgen übrigens für mich – nicht nur in der Corona-Zeit – mehr im Online- als im Präsenz-Format. Das ist allein schon aufgrund der Trainingslager und Wettkampfreisen so. Vieles muss ich halt selbst organisieren, aber die Klausuren muss ich selbstverständlich vor Ort an der Uni schreiben.

 

Letzte Frage: Einige Wintersportler sind ja zum Sommertraining auch in M-V, z.B. auf Rügen oder auf Usedom. Waren Sie auch schon einmal in M-V?

 

Laura Nolte: Ich war ehrlich gesagt noch nie auf Rügen oder auf Usedom. Rügen soll ja ungemein schön sein! Wenn uns einmal jemand nach Rügen einladen sollte, würden wir dort gern ein Trainingslager machen! Wäre klasse!

 

Vielen Dank und alles erdenklich Gute – insbesondere für Peking 2022!

 

Weitere Informationen zu Laura Nolte und ihrem Team unter:

https://www.bobteam-nolte.de

https://www.facebook.com/BobteamLauraNolte

 

EXKURS - Olympische Bobsport-Wettkämpfe und M-V

 

Olympische Bob-Entscheidungen – das waren ansonsten in der Vergangenheit, seit den Winterspielen 1976, und ebenfalls in der Gegenwart auch oftmals Wettkämpfe mit M-V-Beteiligung. Das war vor fast acht Jahren, 2014, nicht anders.

 

Zurückgeblickt: Vor mehr als vier Jahrzehnten – zweimal olympisches Gold nach Rügen

 

Vor mehr als vier Jahrzehnten, am 24.Februar 1976, triumphierte in Innsbruck-Igls der aus Rügen stammende Meinhard Nehmer mit seinem Team (Jochen Babock, Bernhard Germeshausen, Bernhard Lehmann) mit 46 Hundertstel Sekunden Vorsprung vor Schweiz II mit dem Piloten Erich Scherer, der Bundesrepublik Deutschland I mit dem Piloten Wolfgang Zimmerer, Onkel der einstigen alpinen Erfolgs-Skifahrerin Maria Höfl-Riesch, und DDR II mit dem Piloten Horst Schönau. Bereits die olympische Entscheidung im Zweier-Bob 1976, am 7.Fenruar, hatte seinerzeit Meinhard Nehmer für sich entschieden.

 

Ein Rüganer mit dreimal Gold 1976/80

 

Den Vierer-Erfolg von Innsbruck-Igls 1976 wiederholte Meinhard Nehmer 1980 in Lake Placid. Nachdem es für den Rüganer acht Tage zuvor, am 16.Februar „nur“ Bronze im Zweier gegeben hatte, siegte er am 24.Februar 1980 mit DDR I und der Besatzung Bogdan Musiol, Bernhard Germeshausen und Hans-Jürgen Gerhardt klar mit fast einer Sekunde Vorsprung vor Schweiz I mit dem Piloten Erich Schärer (DDR I: 3:59,92, Schweiz I: 4:00,87).

 

14 Jahre später gab es ebenfalls für zwei "MVler" eine bobsportliche Bronze-Medaille - im Vierer bei den Winterspielen 1994 in Lillehammer. Hinter Deutschland II mit dem Piloten Harald Czudaj, Schweiz I mit dem Piloten Gustav Weder belegten der gebürtige Neubrandenburger Ulf Hielscher sowie der gebürtige Stralsunder Carsten Embach (dazu der gebürtige Brandenburger Rene Hannemann) im Bob Deutschland I des Piloten Wolfgang Hoppe am 27.Februar 1994 Rang drei.

 

Vier Jahre später, bei den Winterspielen 1998 in Nagano, kam der Vierer-Bob Deutschland I mit dem Piloten Harald Czudaj und dem einstigen Zehnkampf-Weltmeister (1987) sowie Zehnkampf-Olympia-Silbermedaillengewinner (1988) Torsten Voss (bis 1990 SC Traktor Schwerin) auf Platz acht. Es gewann damals Deutschland II mit dem Piloten Christoph Langen.

 

2002 – Gold für einen Stralsunder

 

In Salt Lake City, bei den Winterspielen 2002, gab es dann endlich Gold für den gebürtigen Stralsunder Carsten Embach im Vierer-Bob Deutschland II des Piloten Andre Lange (mit Carsten Embach, Enrico Kühne, Kevin Kuske). Am 23.Februar 2002 gewannen die Vier im Vierer vor USA I mit Piloten Todd Hays und USA II mit Piloten Brian Shimer.

 

Ein Anklamer in der bobsportlichen Erfolgsspur

 

Und zuletzt setzte der gebürtige Anklamer Marko Hübenbecker, Jahrgang 1986, vom Mitteldeutschen SC in Magdeburg, diese olympische Bob-Tradition „Made in M-V“ fort. So wurde der Vorpommer unter anderem 2012 Europameister mit dem Vierer bzw. Vize-Europameister mit dem Zweier, dazu im gleichen Jahr WM-Dritter mit dem Vierer. Im Jahr 2013 erkämpfte der Anklamer folgend sowohl WM- als auch EM-Gold im Bob des Piloten Maximilian Arndt. Bei Olympia belegte er mit dem Vierer Rang sechs. Zuletzt wurde Marko Hübenbecker, inzwischen zurückgetreten, Vierer-Vize-Weltmeister 2015 und WM-Vierter mit dem Vierer 2016.

 

Marko Michels

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