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Sportgeschichte: Goldene Momente für Schwerin 1976


Die Stadt Schwerin Schwerin kann in ihrer Historie auf zahlreiche sportliche Erfolge zurückblicken, ob bei Olympia, WM, EM oder Weltcup-Konkurrenzen.


Wer waren aber die Ersten, die olympisches Gold für Schwerin erkämpften, sei es als gebürtige Schweriner oder als Mitglied eines Schweriner Vereines?!


Andrea war die Erste


Das kann man inzwischen natürlich genau angeben. Die ersten olympischen Goldenen für Schwerin gab es bei den XXI. Olympischen Spielen 1976 in Montreal – und das gleich in vierfacher Hinsicht. Die allererste Olympia-Goldmedaille holte am 18.Juli 1976 die Schwimmerin Andrea Pollack, 1961 in Schwerin geboren (2019 verstorben) und für den SC Dynamo Berlin startend, mit der DDR-Staffel über die 4 x 100 Meter Lagen. Einen Tag später, am 19.Juli 1976, folgte Gold über die 200 Meter Schmetterling. Allerdings: Nach der Wende 1989/90 gab Andrea Pollack zu, während ihrer aktiven sportlichen Karriere leistungsfördernde Substanzen zu sich genommen zu haben, was leider damals – im Ost- wie im Westblock – sehr verbreitet war und auch heute immer noch geschieht… 


Ruderer Michael Wolfgramm folgte


Sechs Tage nach dem zweiten Schwimm-Gold von Andrea Pollack holte der gebürtige Schweriner Michael Wolfgramm, Jahrgang 1953 und damit junge 65 Anfang März geworden, Ruder-Gold mit dem DDR-Doppelvierer. Im olympischen Finale am 25.Juli 1976 verwies das DDR-Boot die Sowjetunion und die Tschechoslowakei auf die anderen Medaillenplätze – alle drei Länder bestehen seit 1990 (DDR), 1991 (SU) und 1992 (Tschechoslowakei) nicht mehr…


Natürlich durfte ein Boxsportler nicht fehlen


Und weitere sechs Tage danach jubelte ein Boxsportler vom SC Traktor Schwerin. Jochen Bachfeld, 1952er Jahrgang mit Geburtsort Sülte (Landkreis Ludwigslust-Parchim)...


Der Boxsport und M-V


Der Boxsport und Mecklenburg-Vorpommern. Das war, das ist seit 1920 ff. ohnehin eine große Erfolgsgeschichte. Box-Legende Max Schmeling wurde 1905 im vorpommerschen Klein Luckow geboren. Erfolgs-Trainer Ulli Wegner boxte Anfang der 1960er Jahre für den ASK Vorwärts Rostock. Bekannte Box-Trainer aus M-V sind zudem unter anderem Uwe Behrendt, Fiete von Thien, Horst Femfert, Uwe Fox oder Karsten Röwer.


Der 2014 verstorbene Fritz Sdunek entdeckte, formte und trainierte hier jahrzehntelang Boxsportler, die zu olympischen, weltmeisterlichen und europameisterlichen Ehren kamen.


Namen, wie Bruno Guse, Paul Nickel, Dieter Neidel, Karl Degenhardt, Jürgen Schlegel, Manfred Weidner, Bernd Wittenburg, Rene Breitbarth, Dieter Berg, der früh verunglückte Sven Lange, Torsten Schmitz, Jan Quast, Michael Timm, Martin Dreßen, Sebastian Zbik, Sebastian Sylvester, Jürgen Brähmer oder insbesondere Andreas Zülow, Andreas Tews und Jochen Bachfeld haben weit über die mecklenburgischen bzw. vorpommerschen  Box-Grenzen hinaus einen ausgezeichneten Klang. Der Amateur-Boxsport „Made in M-V“ hatte (und hat durchaus noch immer) „Weltruf“.


Montreal 1976 – Goldene Momente


Vor 46 Jahren gab es dann, wie bereits erwähnt, auch endlich das erste boxsportliche Olympia-Gold für Mecklenburg-Vorpommern. Beim olympischen Box-Turnier 1976 in Montreal schaffte der 1952 in Sülten geborene Jochen Bachfeld, der für den SC Traktor Schwerin kämpfte, im Weltergewicht die Überraschung. Überraschend deshalb, weil sich der Wahl-Schweriner vor den Spielen verletzte, rechtzeitig aber wieder fit und nachnominiert wurde…


In Montreal konnte den Mecklenburger niemand aufhalten. In der ersten Runde besiegte er den Iraner Ali Bahri Khomani durch RSC 1.Runde, dann bezwang er den Griechen Athanasis Illiadis in der zweiten Runde mit 5:0, glänzte folgend gegen den Russen Waleri Rachkow in der dritten Runde mit 4:1 (Ein vorweg genommenes Finale!), ließ dem Kanadier Carmen Rinke im Viertelfinale keine Chance (5:0), erreichte anschließend ein 3:2 gegen den Rumänen Victor Zilberman im Halbfinale – und im Finale gab es einen spannenden Fight gegen den Venezuelaner Pedro Gamarro, den Jochen Bachfeld zu seinen Gunsten knapp entschied (3:2).
Der erste Olympiasieg im Boxsport für „M-V“ war damit am 31.Juli 1976 perfekt.


Silber-Medaille im Federgewicht


Im Federgewicht sorgte ein weiterer mecklenburgischer Boxer 1976 für Furore – Richard Nowakowski, Jahrgang 1955, Geburtsort: Sztum, Verein: SC Traktor Schwerin.


Richard Nowakowski konnte bis zum Finale alle Kämpfe gewinnen, so in der zweiten Runde gegen Ruben Mares (Philippinen) mit 5:0, in der dritten Runde gegen Behzad Ghaedi Bardeh aus dem Iran durch RSC 3.Runde, im Viertelfinale gegen Gheorghe Ciochina (Rumänien), der in der dritten Runde den Westdeutschen Rene Weller mit 4:1 besiegt hatte, durch RSC 3.Runde und im Halbfinale gegen Leszek Kosedowski (Polen) mit 5:0. Im Finale unterlag Richard Nowakowski dann dem Kubaner Angel Herrera durch K.O. in der 2.Runde.


Gute Kämpfe von Bernd Wittenburg


Ein weiterer mecklenburgischer Boxer in Montreal 1976 war der gebürtige Neuklosteraner Bernd Wittenburg, Jahrgang 1950. Dieser trat im Mittelgewicht an. In der ersten Runde konnte Bernd Wittenburg klar gegen den Kanadier Bryan Gibson mit 5:0 gewinnen, unterlag folgend jedoch dem Kubaner Luis Felipe Martinez in der 2.Runde umstritten mit 2:3.


Das Box-Turnier 1976 – ein Resümee


Das olympische Box-Turnier 1976, das in der fast 18000 Zuschauer umfassenden „L`Arena Maurice Richard“ in Montreal zwischen dem 18.Juli und 31.Juli 1976 ausgetragen wurde, litt unter dem Boykott der afrikanischen Länder.


Diese gewannen bei den ersten Amateur-Weltmeisterschaften im Männer-Boxsport 1974 in Havanna unter anderem WM-Gold durch Ayub Kalule aus Uganda im Halbweltergewicht und WM-Silber durch Stephen Muchoki aus Kenia im Halbfliegengewicht. Hatten – mit den afrikanischen Boxern – ursprünglich 348 Teilnehmer aus 69 Nationen gemeldet, so waren es nach dem Abzug der afrikanischen Box-Teams nur noch 267 Teilnehmer aus 51 Ländern.


Die erfolgreichste Box-Staffel 1976 in Montreal war nicht jene aus Kuba, sondern aus den USA, die 5 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze verbuchen konnte. Die US-Olympiasiege im Boxsport`76 gingen auf das sportliche Konto von Leo Randolph (Fliegengewicht), Howard Davis junior (Leichtgewicht), Sugar Ray Leonhard (Halbweltergewicht), Michael Spinks (Mittelgewicht) und Leon Spinks (Halbschwergewicht).


Die erfolgsverwöhnten Kubaner kamen hingegen auf 3 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze. Jorge Hernandez (Halbfliegengewicht), der erwähnte Angel Herrera (Federgewicht) und der legendäre Teofilo Stevenson (Schwergewicht) waren Kubas Olympiasieger im Box-Ring 1976.


Die restlichen drei olympischen Goldmedaillen im Boxsport`76 gingen an Nordkorea (Gu Yong-Jo, Bantamgewicht), Polen (Jerzy Rybicki, Halbmittelgewicht) und eben die DDR (Jochen Bachfeld, Weltergewicht).


Für die DDR gab es dank Jochen Bachfeld bzw. Richard Nowakowski (SC Traktor Schwerin) je einmal Gold und Silber. Für die westdeutsche Staffel holte Reinhard Skricek (Bayer Leverkusen) in der „Jochen-Bachfeld-Gewichtsklasse“ die Bronze-Medaille.


Medaillen für 16 Länder


Insgesamt erkämpften Boxer aus 16 Ländern olympisches Edelmetall in Montreal 1976. Neben den genannten Bilanzen für die USA, Kuba und die beiden Deutschländer konnten sich auch die Boxer aus Nordkorea (1 x Gold, 1 x Silber), Polen (1 x Gold, 4 x Bronze), Rumänien (2 x Silber, 3 x Bronze), der Sowjetunion (1 x Silber, 4 x Bronze), Jugoslawien (1 x Silber, 1 x Bronze), Venezuela (1 x Silber) sowie Puerto Rico, Thailand, Großbritannien, Mexiko, Bulgarien und von den Bermudas (je 1 x Bronze) in das olympische Medaillen-Ranking 1976 „fighten“. Die Auszeichnung für den besten Techniker des Olympia-Turnieres 1976 (Val-Barker-Pokal) erhielt der Amerikaner Howard Davis junior.


Das beste Weltergewichtler in Montreal 1976 war indes Jochen Bachfeld.


M.Michels

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