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Sportgeschichte: M-V und die Universiaden / Schweriner bereits mit Universiade-Gold 1987 und 1999


Der studentische Sport wurde in den letzten drei Jahren auch arg in MItleidenschaft gezogen. Eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten durch die Corona-Pandemie, Lockdowns und Absagen von Wettkämpfen prägten das Geschehen bei den Studenten-Sportlerinnen bzw. - Sportlern seit 2019. Nun müssen die Besten von ihnen bis 2023 auf die nächsten Weltspiele im Studentensport, die World University Games (bis 2020 Universiaden), warten...

 

Was waren jedoch einige Highlights für M-V bei den Universiaden in den letzten 60 Jahren?!

 

Mexico-City 1979 und die Universiade: Marita war damals über die 200 Meter nicht zu schlagen!

 

11 Jahre nach den Olympischen Spielen in Mexico-City`68 wurde anno 1979 die studierende Sportjugend der Welt zur Universiade eingeladen.  

 

Und gerade in Mexico-City waren das einige „Hochkaräter“ – insbesondere aus deutscher Sicht vertreten. Fast 3000 Athletinnen und Athleten aus 94 Ländern meldeten für Mexico`79 und in 10 Sportarten traten sie gegeneinander an.

 

Für die DDR hatten Universiaden nur eine kleine Bedeutung – im Vergleich zu Olympia oder den WM sowie EM in einigen Kernsportarten. Daher schickte die DDR nur ein kleines Team – mit der gebürtigen Wismarerin Marita Koch, die für den SC Empor Rostock startete, an der Spitze. 

 

Um Platz eins der Medaillenwertung gab es den erwarteten Zweikampf zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten, den die UdSSR mit 31 x Gold zu 21 x Gold der USA klar zu ihren Gunsten entschied.

 

Aber auch die Deutschen aus Ost und West konnten jubeln: 6 x standen DDR-Sportler ganz oben, 4 x die Starter aus der Bundesrepublik. Am Ende sicherte sich die DDR so Rang vier im Medaillen-Ranking vor den „Bundis“. 

 

Herausragend waren die deutschen Erfolge in der Leichtathletik:
Gerd Nagel gewann den Hochsprung, Harald Schmid über die „langen“ Hürden, Klaus Ploghaus im Hammerwerfen – er ließ damit sensationell die UdSSR-Teilnehmer hinter sich – Helmut Schreiber siegte im Speerwerfen, Marlies Göhr dominierte über die 100 Meter, gegen Udo Beyer, den Olympiasieger von 1976, hatte niemand eine Chance, und über die 200 Meter jubelte eine Mecklenburgerin. Marita Koch distanzierte das Feld in 21,91 Sekunden.

 

Ulrike Meyfarth, die Hochsprung-Olympiasiegerin von 1972, schaffte in Mexico die Höhe von 1,92 Meter und musste nur der Ungarin Andrea Matay, welche die Höhe von 1,94 Meter meisterte, den Vortritt lassen. Die gebürtige Demminerin Ilona Slupianek gewann das Kugelstoßen.

 

Für das sportliche Knallbonbon sorgte jedoch der Italiener Pietro Mennea. Über 200 Meter stellte er im Estadio Olympico Universitario in 19,72 Sekunden nicht zuletzt dank der mexikanischen Höhe einen Weltrekord auf, der erst 17 Jahre später vom US-Amerikaner Michael Johnson gebrochen werden konnte. Ein Jahr später wurde der Italiener außerdem Olympiasieger über die 200 Meter in Moskau.

 

Als Langstreckenläufer war auch Wolf-Dieter Poschmann 1979 dabei, der einstige ZDF-Sportreporter, der 2021 viel zu früh verstarb.

 

Erfolge für Mecklenburger und Vorpommern auch zwischen 1959 und 2009

 

Auch bei den Universiaden zuvor waren studierende Sportlerinnen und Sportler zwischen Ostseeküste und Sächsischer Schweiz, wenn sie dann teilnahmen – und oftmals mit kleinen Teams, durchaus erfolgreich. So gewann Hermann Lingnau 1959 während der ersten Universiade 1959 in Turin Gold im Kugelstoßen.

 

Die DDR sicherte sich insgesamt 1 x Gold / 1 x Silber, wobei die italienischen Gastgeber (18-10-10) die besten waren. 1961 und 1963 war die Sowjetunion mit 21 x Gold bzw. 19 x Gold dominierend, was in den Folgejahren durchaus zunahm – mit einer Ausnahme: Ungarn war 1965 in Budapest die Nummer 1 und 1967 boykottierten die sozialistischen Länder die Universiade, bei denen die USA mit 31 x Gold die Spitzenstellung hatte.

 

Eine Greifswalderin mit goldenem Diskus…

 

Drei Jahre später 1970 in Turin war aber wieder die Sowjetunion das „Maß aller Universiade-Dinge“ – 26 x Gold vor den USA mit 22 x Gold. Das DDR-Team kam immerhin auf 8 x Gold / 3 x Silber / 4 x Bronze und Jürg Drehmel, der Dreispringer aus Trantow/Kreis Demmin, wurde Dritter. Karin Illgen, die gebürtige Greifswalderin, wurde Siegerin im Diskuswerfen.

 

1973 in Moskau gab es für den sowjetischen Gastgeber einen Universiade-Medaillenregen pur: 69 x Gold / 35 x Silber / 30 x Bronze. Die 19 x Gold / 15 x Silber / 18 x Bronze der zweitplatzierten USA nahmen sich da ganz bescheiden aus. Die kleine DDR-Mannschaft erkämpfte 1 x Gold / 3 x Silber / 8 x Bronze, wobei Jörg Drehmel wieder Dritter im Dreisprung wurde.

 

1975 in Rom fanden nur Leichtathletik-Wettkämpfe zur sportlichen Feier der Universiade statt, wobei die Sowjetunion zusammen mit Polen den Ton angab.

 

Bronzener Warnemünde aus Rostock in Sofia

 

1977 lieferten sich die UdSSR und die USA in Sofia wieder den gewohnten Zweikampf, der mit einem Gesamt-Erfolg für die UdSSR endete. Die DDR errang 3 x Silber / 3 x Bronze und der gebürtige Grevesmühlener, der für den SC Empor Rostock startende Wolfgang Warnemünde konnte Bronze im Kugelstoßen und im Diskuswerfen gewinnen.

 

Die 1979er Weltspiele im Studentensport wurden ja bereits erwähnt – 1981 war Bukarest Austragungsort. Die UdSSR gewann mit 40 x Gold vor Rumänien mit 30 x Gold und den USA mit 29 x Gold. Für die DDR blieb 4 x Gold / 6 x Silber / 1 x Bronze – und auch Wolfgang Warnemünde war als Zweiter im Diskuswerfen wieder unter den Medaillengewinnern. Der für den SC Traktor Schwerin startende Speerwerfer Gerald Weiß erkämpfte ebenfalls Silber und Ines Müller vom SC Empor Rostock belegte einen zweiten Platz im Kugelstoßen.

 

In Edmonton, vor der Haustür der USA, wollte das sowjetische Team die US-Girls und –Boys anscheinend 1983 demütigen. So gewann „Team U.S.S.R.“ mit 58 x Gold / 30 x Silber / 25 x Bronze überaus erfolgreich den Medaillenspiegel vor den USA mit 12 x Gold / 20 x Silber / 22 x Bronze. 1985 ein ähnliches Bild … UdSSR 42 x Gold – USA 23 x Gold.

 

Bei der Universiade in Zagreb 1987 ging es wieder spannender zu: 27 x Gold für die USA und 23 x Gold für die UdSSR. Die DDR holte immerhin 5 x Gold / 3 x Silber / 5 x Bronze. Für die DDR-Mannschaft im Frauen-Volleyball, mit M-V-Beteiligung, unter anderem mit der gebürtigen Rostockerin Kathrin Langschwager und den SCT-Spielerinnen Ute Steppin bzw. Dörte Stüdemann, gab es Bronze. Und ein gebürtiger Schweriner sorgte für goldene Momente im Rudern - Steffen Zühlke holte Gold im Einer.

 

Ein Rumpfprogramm gab es bei der Universiade 1989 in Duisburg, nachdem der ursprüngliche Austragungsort Sao Paulo kurzfristig absagte. Dominierend waren wie gewohnt die Sowjetunion und die USA – die DDR-Bilanz: 1 x Gold / 1 x Silber / 2 x Bronze.  Nach den Wende-Jahren 1989/90 fand die Universiade 1991 in Sheffield statt und die USA wurden die neue Nr.1 im Weltstudentensport mit 28 x Gold vor China mit 21 x Gold. Das vereinte Deutschland konnte letztendlich 4 x Gold / 9 x Silber / 5 x Bronze aufweisen.

 

Rostocker Erfolge im Wasserspringen

 

In Buffalo 1993 war die USA wieder „spitze“. Für Mecklenburg-Vorpommern gab es Silber für Siebenkämpferin Birgit Gautzsch vom Schweriner SC, Speerwerferin Tanja Damaske, die zeitweise für den SCT/SSC startete, und Bronze für die Rostocker Wasserspringerin Silke Krüger.

 

Gold und Bronze folgten dann 1995 für Dörte Lindner (Rostock) im Wasserspringen und auch Silke Krüger war mit Silber im Wasserspringen wieder „medaillen-technisch“ dabei. Zudem war das deutsche Wasserspringerinnen-Team das Beste. Am besten insgesamt avancierte die USA mit 24 x Gold und 27 x Silber, knapp vor Japan mit 24 x Gold und 16 x Silber. Deutschland erkämpfte 6 x Gold / 6 x Silber / 8 x Bronze.

 

1997 auf Sizilien waren die USA erneut mit 20 x Gold führend – Deutschland holte 2 x Gold, 1 x Silber, 8 x Bronze.

 

Mallorca mit Gold für den Schweriner Volleyballsport

 

In der mecklenburgischen Traditionssportart Volleyball sorgte dann der gebürtige Schweriner Marco Liefke für ein Universiade-Highlight 1999 auf Mallorca. Mit dem deutschen Herren-Team errang Marco Liefke Gold vor den Mannschaften aus Japan und Spanien. Im Segeln, in der 420er Klasse, zeigten die Schwerinerinnen Ulrike Leu/Anke Telthörster vor Palma de Mallorca ihr Können.

 

Sonja im Siebenkampf und Jonna Tilgner über die Hürden – mit Medaillen!

 

In Peking 2001 war China „oben auf“ mit 54 x Gold / 25 x Silber / 24 x Bronze – Deutschland gab sich mit 1 x Gold / 4 x Silber / 2 x Bronze bescheiden. Bronze errang in der chinesischen Hauptstadt Sonja Kesselschläger aus Neubrandenburg im Siebenkampf.

 

2003 in Daegu dann fast – mit Ab- und Aufstrichen – eine Wiederholung: China mit 41 x Gold vorn, Deutschland hatte 3 x Gold im Gepäck. Izmir 2005 sah das russische Team vorn.

 

Im Jahr 2007 war China erneut Universiade-Nr.1 mit 32 x Gold und Deutschland kam auf ausgezeichnete 11-5-9 im Medaillenspiegel. Die frühere Wahl-Mecklenburgerin Jonna Tilgner eroberte `07 Bronze über die 400 Meter-Hürden (plus Silber 2009 in Belgrad). Am Start waren auch Schwerins Lars Grübler im Basketball und Rostocks Frank Sander im Wasserspringen. In Shenzhen 2011 wurde dann die Rostockerin Antje Mahn Fünfte im 10 Kilometer-Langstreckenschwimmen.

 

Bei der Universiade 2015 in Gwangju gab es einen Gesamt-Erfolg des Gastgebers - Südkorea wurde mit 108 Medaillen, darunter 47 x Gold, Erster im Medaillenspiegel, vor Russland mit 122 Medaillen, darunter  34 x Gold, China mit 72 Medaillen, darunter  34 x Gold, und Japan mit 85 Medaillen, darunter 25 x Gold. Schwarz-Rot-Gold kam 2015 auf 18 Medaillen, darunter 5 x Gold.

 

Von Gwangju nach Taipei

 

2017 rief dann Taipei die Studenten-Sportlerinnen und -Sportler aus aller Welt. Japan wurde mit 101 Medaillen, darunter 37 x Gold, bestes Team. Aus M-V-Sicht war bei der Universiade 2017 die Wasserspringerin Saskia Oettinghaus (WSC Rostock / Universität Rostock) am Start, die zwar keine Medaille gewann, dafür aber wertvolle Erfahrungen für künftige internationale Einsätze sammeln konnte.

 

Neapel mit vorerst letzter Universiade 2019

 

Bei der vorerst letzten Universiade vor drei Jahren erreichten auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus M-V beachtliche Erfolge. Der gebürtige Rostocker Henning Prüfer schaffte Bronze im Diskuswerfen, seine Disziplin-Kollegin Claudine Vita vom SC Neubrandenburg kam sogar zu Silber. Die Rostockerin Annika Würfel jubelte zudem über Bronze im Team-Wettkampf bei den Studentinnen. Klasse Leistungen präsentierten zudem die Rostocker Wasserspringerinnen Saskia Oettinghaus, wie bereits 2017, und Anna Shyrykhay. Japan (82 Medaillen, 33 x Gold) und Russland (82 Medaillen, 22 x Gold) dominierten bei den Wettkämpfen in Neapel.

 

Durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg finden die nächsten Weltspiele im Studentensport, die seit 2020 World University Games heißen, erst wieder 2023 statt. Das chinesische Gwangju, in dem die World University Games 2021 ausgetragen werden sollten, aber pandemiebedingt abgesagt wurden, kommt damit doch noch zum Zuge. Dem russischen Jekaterinburg, für 2023 vorgesehen, entzog der Internationale Hochschulsportverband (FISU) die Gastgeber-Rechte aufgrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. 2025 wird dann übrigens die Rhein-Ruhr-Region die World University Games veranstalten - möglicherweise dann wieder mit sportlicher MV-Beteiligung.

 

Marko Michels

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