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Silber-Jubel in Halifax / Schweriner Kanutin holt Silber bei Kanu-Rennsport-WM 2022 / Sophie Koch gemeinsam mit Sebastian Brendel im Mixed-Canadier auf Rang zwei


Kanu-Rennsport und M-V, speziell auch Schwerin, das hat, das ist Tradition. Seit mindestens 50 Jahren, seit den Olympischen Spielen 1972 in München, gehörten bzw. gehören MV-Kanutinnen sowie -Kanuten zu den Besten der Welt, gab es oft Medaillen und vordere Platzierungen. 

 
Diese großen Traditionen setzten nun Sophie Koch, Jahrgang 1997, die bei der Kanurenngemeinschaft Schwerin e.V. ihre sportliche Karriere begann, und der gebürtige Schweriner Peter Kretschmer, Jahrgang 1992, fort. 

 
Olympische Einsätze bravourös gemeistert

 
Beide hatten schon ihre olympischen Bewährungsproben und glänzten dabei erstklassig. Peter Kretschmer, der nunmehr für den SC DHfK Leipzig startet, wurde 2012 in London mit Kurt Kuschela Olympiasieger im Zweier-Canadier über 1000 Meter. 

 
Und Sophie, Verein Rheinbrüder Karlsruhe, brillierte in Tokyo 2021 mit Rang vier im Canadier-Zweier über 500 Meter zusammen Lisa Jahn. Neben Olympia feierten Peter und Sophie zudem einige Erfolge - so zum Beispiel WM-Gold 2013 im Canadier-Vierer über 1000 Meter und jeweils WM-Gold im Canadier-Zweier über 1000 Meter 2017 bzw. 2018 (Peter) oder EM-Silber 2021 im Canadier-Zweier über 500 Meter (Sophie). 

 
Beide schafften aktuell auch die Nominierung für die Welttitelkämpfe in Dartmouth/Halifax Anfang August 2022. 

 
Kanu-Rennsport-Events in Kanada: Für MV-Kanutinnen und Kanuten stets Erfolgsgeschichten

 
Und in der Historie war es bisher immer so: Kanusportliche Großereignisse in Kanada mit M-V-Beteiligung waren aus MV-Sicht stets sehr erfolgversprechend. 

 
Montreal 1976: Goldene Zeiten für Carola Zirzow, Rüdiger Helm und Bernd Olbricht 

 
Bei der olympischen Kanu-Regatta in Montreal 1976 gab es einen Medaillen-Regen für das Kanu-Land M-V. Im Kajak-Zweier (Herren) über die 500 Meter gewannen Bernd Olbricht (SC Neubrandenburg) und Joachim Mattern (SC Berlin-Grünau) Gold vor der UdSSR und Rumänien. Im Kajak-Einer (Herren) über 1000 Meter triumphierte Rüdiger Helm (SC Neubrandenburg) vor Geza Csapo (Ungarn) und Vasile Diba (Rumänien) und im Kajak-Einer über 500 Meter siegte Carola Zirzow (SC Neubrandenburg) vor der Russin Tatjana Korschunowa und Klara Rajnai (Ungarn).

 
Die anderen Olympia-Medaillen im Kanu-Rennsport 1976 sicherten sich: Bernd Olbricht (mit Joachim Mattern) im Kajak-Zweier über 1000 Meter mit Silber, Rüdiger Helm im Kajak-Einer über 500 Meter mit Bronze, noch einmal Rüdiger Helm (mit Frank-Peter Bischof, Bernd Duvigneau, Jürgen Lehnert) im Kajak-Vierer über 1000 Meter mit Bronze und Carola Zirzow sowie Bärbel Köster (wie Carola Zirzow Mitglied des SCN) im Kajak-Zweier über 500 Meter mit Bronze. Mit dem Kanu in Montreal 1976 unterwegs war zudem Hans-Jürgen Tode (SC Empor Rostock), der zusammen mit Detlef Bothe (SC DHfK Leipzig) im Zweier-Canadier über 1000 Meter Platz fünf schaffte.

 
1986: Silber für Kathrin Giese

 
Zehn Jahre später, 1986 in der Olympia-Stadt Montreal, gab es dann die ersten WM im Kanu-Rennsport in Kanada. Die damals noch getrennten Deutschen aus Ost und West kamen zusammen auf zehnmal Edelmetall, darunter dreimal Gold. Die Neubrandenburgerin Kathrin Giese schaffte dabei Silber im Kajak-Einer über 500 Meter. 

 
Andreas Dittmer und Thomas Zereske begeistern 1997

 
Elf Jahre danach rief Dartmouth/Halifax zu den zweiten Welttitelkämpfen im Kanu-Rennsport auf kanadischem Boden. Zwölf Medaillen, davon neunmal Gold, lautete die Ausbeute der inzwischen vereinten Deutschen. Und von den neun Goldenen gingen zwei auf das Konto von M-V-Athleten: Andreas Dittmer vom SC Neubrandenburg erkämpfte Gold im Canadier-Einer über 1000 Meter. Sein Vereinskollege Thomas Zereske, 2004 verstorben, holte zudem Gold im Canadier-Zweier über 200 Meter und Bronze im Canadier-Zweier über 500 Meter. Die in Waren/Müritz geborene und bis 1990 für den SC Neubrandenburg startende Katrin Borchert (damals Wahl-Australierin) durfte 1997 über zweimal WM-Silber jubeln (jeweils mit dem Canadier-Zweier über 500 Meter und 1000 Meter).

 
2009: Stefan Holtz mit Gold

 
Und bei der vorerst letzten WM im Kanu-Rennsport in Kanada, wieder in Dartmouth/Halifax war Schwarz-Rot-Gold erneut sehr erfolgreich mit achtzehnmal Edelmetall, darunter siebenmal Gold. Und Mecklenburger waren 2009 ebenfalls bestens dabei. Der gebürtige Neubrandenburger Stefan Holtz errang Gold im Canadier-Zweier über 500 Meter und Bronze im Canadier-Zweier über 200 Meter. Thomas Lück und Erik Rebstock vom SC Neubrandenburg komplettierten im Canadier-Vierer über 1000 Meter die Medaillen-Ausbeute "für M-V" vor 13 Jahren. 

 
Von Dartmouth 2009 nach Dartmouth 2022

 
Wie sah das weltmeisterliche Geschehen im Kanu-Rennsport jedoch 2022 wiederum in Dartmouth/Halifax aus?!

 

Für das deutsche Team waren die fünf WM-Tage (3.8.22-7.8.22) in Dartmouth/Halfifax sehr erfolgreiche. Am Ende standen in den 42 olympischen, nicht-olympischen und paralympischen Entscheidungen 17 Medaillen, darunter dreimal Gold, für den Deutschen Kanu-Verband zu Buche - eine imponierende Bilanz und hinsichtlich der Medaillen-Anzahl die beste in der Medaillenwertung.

 

Und auch aus M-V-Sicht gab es viel Grund zur Freude, denn Sophie Koch jubelte im Mixed-Canadier-Zweier über die 500 Meter, gemeinsam mit Sebastian Brendel vom KC Potsdam, unter anderem dreifacher Olympiasieger 2012/2016, über Silber - hinter dem siegreichen Canadier von "Team Canada". Mit der Berlinerin Lisa Jahn schaffte Sophie zudem sehr gute Final-Platzierungen: Rang vier im Zweier-Canadier über 200 Meter hinter Kuba, China bzw. Ungarn. Die Bronzemedaille wurde dort um ganz zwei Hundertstel verpasst. Im Canadier-Zweier über 500 Meter gab es für Lisa und Sophie den guten fünften Rang hinter China, der Ukraine, Ungarn und Polen.

 

Leider musste Peter Kretschmer, der olympische Champion von 2012 im Canadier-Vierer über die 500 Meter passen. Ausgerechnet am Morgen des Finaltages wurde bei ihm eine Corona-Infektion festgestellt - somit konnte der deutsche Canadier-Vierer über die 500 Meter Distanz nicht starten... Schade: Eine Medaille war im Bereich des Möglichen! Dann eben 2023!

 

Insgesamt rückte die Weltspitze im Kanu-Rennsport auch 2022 weiter zusammen. In den 30 olympischen bzw. nicht-olympischen Entscheidungen schafften 26 Länder Edelmetall, darunter 16 eine oder mehrere Titel. Am erfolgreichsten waren hier die Spanier mit viermal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze vor Ungarn mit viermal Gold, einmal Silber, sechsmal Bronze. Großbritannien war hingegen in den 12 Entscheidungen für Kanutinnen und Kanuten mit Handicaps mit fünfmal Gold, viermal Silber, einmal Bronze das erfolgreichste Team. 15 Länder schafften es im Para-Kanusport in die Medaillenränge - 7 holten Titel.

 

Und Deutschland wurde, wie erwähnt, das Land mit der besten Medaillen-Ausbeute in Kanada, wobei es Goldene für Lillemor Köper im Para-Kanu, Sebastian Brendel/Tim Hecker im C 2 über 1000 Meter und Martin Hiller/Tamas Gecsö im K 2 über 1000 Meter gab.

 

Kanada ist eben ein "gutes Kanu-Pflaster" für deutsche, speziell auch mecklenburgische Athletinnen und Athleten.

 

Anmerkung am Rande: Russische und weissrussische Kanutinnen und Kanuten waren bei diesen Welt-Titelkämpfen ausgeschlossen.

 
EXKURS

 
Der olympische Medaillen-Regen für Kanutinnen und Kanuten aus M-V begann übrigens mit der Silbermedaille von Ilse Kaschube (Neubrandenburg) 1972 im K 2 über 500 Meter.


Ilse Kaschube, die heute mit dem ebenfalls früher sehr erfolgreichen Kanuten Klaus Zeisler verheiratet ist, über ihren damaligen Erfolg: „Ich erinnere mich gerne an die Olympiade 1972 zurück. Ich war neunzehn Jahre jung und unbeschwert, wir wollten zeigen, dass wir in der Lage waren gute Leistungen zu bringen. Als es dann die Silberne wurde, waren wir selbst überrascht. Man kann es nicht mit ein paar Worten wiedergeben, was sich alles an der Regattastrecke abgespielt hat. Die Stimmung war großartig, die Anfeuerungen der Zuschauer waren ab 250 Meter bis ins Ziel zu hören. Wir wurden regelrecht ins Ziel gejubelt , so kam es uns jedenfalls vor. Es war einfach schön.“


MV-Starter bei olympischen Kanu-Regatten vor 1972


Der Rostocker Klaus-Uwe Will wurde 1968 in Mexico-City mit dem Vierer-Kajak Sechster. 


Erich Suhrbier, 1938 in Rostock geboren, für die WSV Rheintreue Düsseldorf startend, nahm sowohl 1964 in Tokyo (Vierter im Kajak-Einer über 1000 Meter) als auch 1968 in Mexico-City (Kajak-Vierer 1000 Meter) teil.


Und: Der gebürtige Greifswalder Peter Weigand (1941-2011) war für das U.S.-Team bei den Olympischen Spielen`68 in Mexico-City aktiv (Kajak-Zweier über 1000 Meter)!

 

Nachgefragt bei der Vize-Weltmeisterin 2022 Sophie Koch

 "Diese WM wird immer in Erinnerung bleiben..."


Frage: Die WM ist wieder Historie... Wie lautet Dein persönliches Resümee?

 
Sophie Koch: Ich konnte meine allererste WM-Medaille gewinnen, deswegen wird diese WM immer in Erinnerung für mich bleiben. Mit Rang vier bzw. fünf und dem Vizeweltmeister-Titel kann ich durchaus zufrieden sein. 

 
Frage: Wie verlief eigentlich die Vorbereitung?

 
Sophie Koch: Die Vorbereitung war grundsätzlich nicht ganz so leicht. In den Frühlingsmonaten hatte ich lange mit einer Corona-Infektion zu kämpfen. Dadurch konnte ich einige Monate nicht systematisch trainieren. Dann wieder eine Erkältung - das hat sehr viele Nerven und Tränen gekostet. Die unmittelbare Wettkampfvorbereitung für die WM lief dann allerdings echt gut und die Form stieg an.

 
Frage: Zurück zur WM... Wie verliefen Ihre Wettkämpfe - ganz subjektiv betrachtet?

 
Sophie Koch: Mit dem Mix-Zweier mit Basti Brendel bin ich zufrieden und glücklich, wie wir uns noch den zweiten Platz erkämpft haben. Mit dem C-2 bei den Damen mit Lisa Jahn sind wir grundsätzlich auch erst einmal mit Platz vier und fünf zufrieden, wenn man dieses ins Verhältnis setzt, was bzw. wie wir dieses Jahr nur eingeschränkt trainieren konnten. Der Anspruch ist jedoch natürlich eine Medaille. 

 
Frage: Übrigens... Wie war das "Drumherum" bei den WM?

 
Sophie Koch: Aufregend, denn es war mein erstes Mal in Kanada. ...Aber irgendwie auch sehr entspannt, man merkt, dass die Mentalität in Kanada deutlich gelassener ist als unsere. 

 
Frage: Wie geht es nun nach Halifax für Sie weiter - persönlich, beruflich und sportlich?

 
Sophie Koch: Sportlich steht die EM in München auf der Agenda. Beruflich geht es ab September mit der Ausbildung bei der Bundespolizei und dem Studium weiter. Und Urlaub möchte ich ebenfalls noch machen! 

 
Vielen Dank und weiterhin alles Gute!

 

 

 Last but not least: In Schwerin erfreut sich neben der Kanurenngemeinschaft Schwerin e.V. auch der 1920 gegründete Schweriner Kanu- und Kleinsegelverein seit Jahrzehnten größter Beliebtheit.

 

Weitere Infos zur Kanu-Rennsport-WM: https://canoe22.com/

 

M.Michels