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Zurückgeblickt: Die European Championships 2022


Die „European Championships“ 2022 in München waren zweifellos ein sportlicher Höhepunkt. In neun Sportarten wurden 178 Entscheidungen ausgetragen, so im Turnen, in der Leichtathletik, im Kanu-Rennsport, im Radsport, im Klettern, im Beach-Volleyball, im Triathlon, im Rudern und im Tischtennis. Allerdings nicht im Ringen, Judo, Boxsport, in den diversen Ballsportarten, im Gewichtheben, im Fechten, im Tennis oder in der Rhythmischen Sportgymnastik – um auch einige der fehlenden Sportarten in München zu nennen!

 

Vom 11.August bis 21.August 2022 fanden zudem parallel zu den EM in München die europäischen Titelkämpfe in einigen schwimmsportlichen Disziplinen (75), so im Becken- bzw. Langstreckenschwimmen sowie im Wasserspringen in Rom statt.

 

Nimmt man nur die Ergebnisse von München 2022, so darf der deutsche Sportfan jubeln – 60 Medaillen, darunter 26 Goldene. Die Briten kamen auf die gleiche Medaillen-Anzahl, erreichten aber „nur“ 24 Goldene. Nur frohlocken ist fehl am Platze… Die meisten Athletinnen und Athleten anderer Länder konzentrierten bzw. konzentrieren sich auf die Weltmeisterschaften, denn die „sportliche Musik“ wird längst nicht mehr in Europa „gespielt“. Nicht nur die US-Amerikaner oder Chinesen auch die Australier, Kanadier, Afrikaner, viele vermeintlich „kleine“ Übersee-Nationen haben die Europäer längst eingeholt und sogar überholt. Tokyo 2022 zeigte das deutlich… Europa ist zwar sportlich noch robust, aber längst nicht mehr führend. Insofern bleibt München 2022 – trotz der erfreulichen deutschen Erfolge – ein Muster mit relativem Wert. Deutschland ist in einigen der neun Sportarten von München sehr gut dabei, aber was heißt das schon im Weltmaßstab – zumal russische und weissrussische Sportler weiterhin vom internationalen Sportbetrieb ausgeschlossen bleiben.

 

Bei den Schwimm-EM in Rom – auch hier fehlten die global Schwimm-Super-Macht USA, Japaner, die Australier, Kanadier, Südamerikaner – war Italien mit 67 Medaillen, darunter 24 Goldenen „spitze“. Das deutsche Team schaffte gerade 15 Medaillen, darunter sechs Goldene. „Addiert“ man also die Ergebnisse von München und Rom, so sind die Italiener mit 38 Goldenen vorn – dahinter folgen Briten (34 Goldene) und Deutsche (32 Goldene). Alles nur „Zahlenspiele“, bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen dürften die Resultate anders sein. Aus deutscher Sicht sind die Ergebnisse der Heim-EM allerdings Mutmacher für Paris 2024. Aus MV-Sicht gab es auch einige erfreuliche Ergebnisse, die Dassowerin Lea Sophie Friedrich (für Cottbus startend) eroberte zweimal Gold im Bahnradsport, die gebürtige Parchimerin und ehemalige Schweriner KRG-Athletin Sophie Koch kam zu Kanu-Bronze und die Neubrandenburgerin Claudine Vita errang Diskus-Bronze. Immerhin.

 

Für die Olympischen Spiele 2024 bleibt aus deutscher Sicht aber eine Menge zu tun. Auch in der Leichtathletik. Gab es bei den WM im Juli in Eugene noch ein Medaillen-Desaster mit zweimal Edelmetall, so wurde Deutschland daheim beste Leichtathletik-Nation Europas. Gerade weil „Übersee“ fehlte – und viele europäische Athleten eben Eugene und nicht München als Höhepunkt des Sportjahres 2022 betrachteten.

 

So erfreulich die Bilanz von München 2022 für Schwarz-Rot-Gold ist, vieles ist relativ – und vergänglich.

 

Aber es stimmt hoffnungsvoll für Kommendes. Den sportlichen Realitätssinn sollte man sich jedoch bewahren – insbesondere aus deutschem Blickwinkel.

 

M.Michels