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Zwischen Gegenwart und Historie – der Rudersport aus M-V- und Schwerin-Sicht


Der Rudersport 2022 steht bzw. stand ganz im Zeichen der EM in München bzw. der WM in Racice. Bei den Heim-EM lief es dabei aus deutscher Sicht nicht sonderlich gut, nur drei Medaillen (einmal Silber, zweimal Bronze) waren die magere Ausbeute.

 

Marie-Louise Dräger – die Erfolgsruderin

 

Marie-Louise Dräger, die gebürtige Lübeckerin und langjährige Ruderin des ORC Rostock, seit 2017 für die Schweriner Rudergesellschaft aktiv, wurde immerhin Sechste im Leichtgewichts-Einer. Die großartige Sportlerin, die seit 1999 stets erfolgreich bei WM, EM, Olympischen Spielen oder Weltcups startete, erklomm oftmals das Podium bei Nachwuchs- bzw. Elite-WM sowie bei EM. Darunter waren unter anderem die WM-Titel 2003/2005 jeweils im Leichtgewichts-Doppelzweier, der EM-Titel im Leichtgewichts-Einer und zweifache Weltmeister-Titel 2010 im Leichtgewichts-Einer und im Leichtgewichts-Doppelvierer, 2015/2016 der Vize-Europameister-Titel im Leichtgewichts-Doppelzweier, 2019 wieder der WM-Titel im Leichtgewichts-Einer wurde und die Olympiateilnahmen 2008/2012/2016 (2004 olympische Ersatz-Ruderin). Nun wird Marie Abschied vom Leistungssport nehmen – Rudern ohne die „Gold-Marie“ fast undenkbar aus MV-Sicht!

 

Bei den WM in Racice Ende September wird die Ausnahme-Ruderin indes noch einmal starten. Hannes Ocik, ebenfalls Schweriner RG, der nach Olympia 2021 den Deutschland-Achter verließ und vom Riemen- in den Skullbereich wechselte, entdeckte 2022 „seine Achter-Liebe neu“ und möchte – mit Blickrichtung Olympia 1924 in Paris – wieder zurück in das Flaggschiff des Deutschen Ruder-Verbandes. In Racice wird Hannes leider fehlen…

 

Die deutschen Ruderinnen und Ruderer werden sicherlich alles daran setzen, bei den WM in Racice das suboptimale Ergebnis der EM in München vergessen zu machen. Bei den europäischen Titelkämpfen 2022 dominierten Briten (sechsmal Gold), Rumänen (fünfmal Gold), Italiener (virermal Gold) und Niederländer (zweimal Gold).

 

Racice – ein erfolgreiches Ruder-Wasser für Team D?!

 

In Racice feierten deutsche Ruderinnen und Ruderer in der Vergangenheit jedoch oft große Erfolge. So erkämpften sie bei den WM 1993 dreizehn Medaillen, darunter dreimal Gold. Und auch MV-Athletinnen und -Athleten schafften Edelmetall, so der Ueckermünder Peter Thiede Achter-Gold, der Rostocker Hans Sennewald Zweier ohne-Bronze und die Wismarerin Kathrin Haacker, die Kühlungsbornerin Dana Pyritz und die Schwerinerin Doreen Schnell Bronze mit dem Frauen-Achter. Und bei den Ruder-EM 2017 an gleicher Stelle holte das deutsche Ruder-Team zweimal Gold, einmal Bronze. Der Wahl-Schweriner Hannes Ocik jubelte über Gold mit dem Deutschland-Achter.

 

Exkurs: Blick in die Ruder-Historie

 

Vor 60 Jahren, 1962, gab es die ersten Ruder-WM (nur für Herren) überhaupt. Erst 1974 durften die Frauen rudersportiv erstmals weltmeisterlich ran.

 

Bereits bei den ersten Ruder-Weltmeisterschaften überhaupt, 1962 in Luzern, jubelten Ruderer aus Mecklenburg und Vorpommern. Im siegreichen westdeutschen Achter 1962 ruderte auch eine MV-Troika – mit Karl-Heinrich Groddeck (Geburtsort Tutow), Hans-Jürgen Wallbrecht (Geburtsort Neubrandenburg) und Klaus Aeffke (Geburtsort Neustrelitz). Insgesamt gab es aus deutscher Sicht damals 5 x Gold, 1 x Bronze in den sieben Ruder-Entscheidungen nur für Herren. Die restlichen beiden Titel teilten sich die Sowjetunion (Einer: Wjatscheslaw Iwanow) und Frankreich (Doppelzweier). Von den 21 vergebenen Medaillen 1962 gingen 20 nach Europa. Nur dem US-Amerikaner Seymour Cromwell gelang es als Einzigem, in die europäische Ruder-Phalanx 1962 einzubrechen – mit Bronze im Einer.

 

Vor 48 Jahren – Die Ruder-WM 1974 in Luzern

 

Die Frauen durften 12 Jahre später, 1974 erneut in Luzern, in die weltmeisterlichen Ruder-Boote.  Die erste gemeinsame Ruder-WM für die Entscheidungen bei den Frauen und bei den Männern war dabei eine sehr erfolgreiche aus deutscher Sicht, denn die Ruderinnen und Ruderer aus Deutschland-Ost und auch Deutschland-West konnten nach Ende der Welttitelkämpfe`74  10 x Gold, 3 x Silber, 4 x Bronze vorweisen.

 

Christine Scheiblich (DDR) siegte im Frauen-Einer und Wolfgang Hönig (DDR) im Herren-Einer. Im erfolgreichen DDR-Frauen-Achter ruderte zudem eine Schwerinerin mit – Sabine Brincker. Im goldenen Doppelvierer der DDR-Herren war unter anderem der gebürtige Greifswalder Joachim Dreifke (ASK Vorwärts Rostock) mit „an Bord“. Und der DDR-Vierer ohne wurde mit dem gebürtigen Rostocker Siegfried Brietzke Erster.

 

Von 17 WM-Titel gingen, wie erwähnt, 10 nach Deutschland. Die restlichen sieben WM-Goldenen erkämpften die USA (3), die Sowjetunion (2) und Rumänien bzw. Australien (je einen). Von den 51 Medaillen der Ruder-WM 1974 mit 6 Entscheidungen im Frauen-Rudern und 11 Entscheidungen im Männer-Rudern holten die Ruderinnen und Ruderer aus Europa 44 Plaketten. Die verbleibenden sieben errangen die USA (5) und Australien bzw. Neuseeland (je eine).

 

Auch Olympia-Ruder-Regatten aus MV-Sicht oft erfolgreich

 

Auch bei den Ruderinnen und Rudern hat Schwerin eine große Erfolgstradition, gab es – auch in olympischer Hinsicht – zahlreiche Highlights, so Achter-Bronze 1972 für Manfred Schneider, Doppelvierer-Gold 1976 für Michael Wolfgramm, Doppelvierer-Bronze 1988 für Steffen Zühlke, Doppelvierer-Gold 1992 für Sybille Schmidt und Vierer ohne-Bronze 1992 für Annette Hohn.

 

Silber 2016 und 2021 für Hannes

 

Bei der vorletzten olympischen Ruder-Regatta 2016 in Rio war ein Quartett aus M-V am Start, mit Marie-Louise Dräger (Olympischer Ruder-Club von 1956 Rostock, seit 2017 Schweriner Rudergesellschaft von 1874-75, Leichtgewichts-Doppelzweier), Stephan Krüger (Olympischer Ruder-Club von 1956 Rostock, Doppelzweier), Hannes Ocik (gebürtiger Rostocker, Schweriner Rudergesellschaft von 1874-75, Achter) und Felix Drahotta (gebürtiger Bad Doberaner, früher Rostocker Ruder-Club von 1885, jetzt Leverkusen). Für Hannes Ocik und Felix Drahotta gab es vor zwei Jahren Olympia-Silber mit dem Deutschland-Achter.

 

In Tokyo 2021, den vorerst letzten Spielen, war ein MV-Duo vertreten. Stephan Krüger belegte im B-Finale mit dem Doppelzweier Platz fünf. Hannes Ocik wurde erneut Zweiter mit dem Achter.

 

Olympische Achter-Tradition für M-V

 

Apropos Achter: Insgesamt waren deutsche Herren-Achter bei Olympia übrigens sechsmal auf Rang eins (Bundesrepublik 1960, 1968, 1988, DDR 1976 und 1980, vereint 2012). Im goldenen DDR-Achter in Montreal 1976 ruderten auch fünf Ruderer vom ASK Vorwärts Rostock mit Werner Klatt, Joachim Lück, Ulrich Karnatz, Karl-Heinz Prudöhl und Karl-Heinz Danielowski. In Moskau 1980 jubelten ebenfalls zwei Ruderer vom ASK Vorwärts Rostock über Olympia-Gold, erneut Ulrich Karnatz und Ulrich Kons.

 

Hans Sennewald 1992 mit Bronze

 

Bei den Spielen 1992 in Barcelona war auch Hans Sennewald (bis 1990 ASK Vorwärts Rostock, nach 1990 Olympischer Ruder-Club Rostock) Mitglied des bronzenen Deutschland-Achters und der gebürtige Ueckermünder Peter Thiede, vor 1990 ASK Vorwärts Rostock, nach 1990 Olympischer Ruder-Club Rostock sowie Ruder-Club Hansa Dortmund, erkämpfte in Atlanta 1996 Silber mit dem Deutschland-Achter.

 

Weitere Höhepunkte im Herren-Achter für M-V

 

Das erste olympische Achter-Gold aus M-V-Sicht erkämpfte Karl-Heinrich von Groddeck, der in Tutow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) geboren wurde. Er sicherte sich Olympia-Gold mit dem Deutschland-Achter 1960 in Rom und zudem Olympia-Silber 1964 in Tokyo. In Tokyo waren unter anderem auch der gebürtige Neustrelitzer Klaus Aeffke und der gebürtige Neubrandenburger Hans-Jürgen Wallberg mit „an Bord“.

 

Des Weiteren errang Karl-Heinrich von Groddeck Olympia-Silber 1956 in Melbourne mit dem „Zweier mit“, 1962 schaffte er auch WM-Gold im Achter sowie 1959, 1963 und 1964 jeweils EM-Gold im Achter.

 

Eine olympische Bronzemedaille errang vor 50 Jahren bei den Olympischen Spielen 1972 in München der Schweriner Manfred Schneider im DDR-Achter.

 

Olympisches Frauen-Rudern auch mit Erfolgen für M-V - einige Erfolgsmomente

 

Und auch im olympischen Frauen-Rudern erlebte M-V oft erfolgreiche Momente. Seit den Olympischen Spielen 1976 in Montreal, dort fand erstmals eine olympische Ruder-Regatta für Damen statt, gehörten Ruderinnen aus Mecklenburg und Vorpommern, die hier zumindest „ihre Wiege“ oder ihren Verein hatten, regelmäßig zu den erfolgreichen Olympionikinnen.

 

Bereits in Montreal 1976 gab es durch die 1956 in Stralsund geborene Monika Kallies Olympia-Gold im Achter und durch die 1954 in Neukalen zur Welt gekommenen Anke Borchmann ebenfalls Olympia-Gold im Doppelzweier. Die heutige Wahl-Schwerinerin Petra Boesler (verheiratete Wach) holte Silber im Doppelzweier.

 

In Moskau 1980 konnten Cornelia Linse aus Greifswald und Heidi Westphal aus Gnoien über Silber im Doppelzweier jubeln. Die in Strasburg geborene Ramona Kapheim schaffte dort Gold mit dem Vierer mit.

 

Vier Jahre später folgte dann der Olympia-Boykott vieler real-sozialistischer Länder in Los Angeles, so dass auch potentielle rudersportliche Olympionikinnen aus M-V um ihre Teilnahme-Chance 1984 gebracht wurden.

 

Goldene Momente in Seoul

 

Dafür sorgten dann Kathrin, Silvia und Jana 1988 in Seoul für Furore. Die gebürtige Wismarerin Kathrin Haacker gewann Gold im Achter, Silvia Rose, aus Barth stammend, erkämpfte Gold im Vierer mit und Jana Sorgers, in Neubrandenburg geboren, errang Gold im Doppelzweier.

 

Kathrin Haacker war dank einer Talente-Sichtung in Mecklenburg zum Rudersport gekommen. So wuchs Kathrin im kleinen mecklenburgischen Dorf Passee bei Wismar auf und im Jugend-Alter erfolgte eine sportliche Sichtung in der Schule und Kathrin wurde als Ruderin „erwählt“. Da im Ruder-Leistungszentrum des ASK Vorwärts in Rostock nur Männer ruderten, wurde die 1967 in Wismar geborene Athletin weiter nach Berlin zur Kinder- und Jugendsportschule bzw. zum SC Dynamo delegiert. Dort begann letztendlich ihr rudersportlicher Aufstieg.

 

Das Olympia-Gold in Seoul war für Kathrin Haacker letztendlich „die Erfüllung eines Lebenstraumes“. Nachdem ihr 1986 der internationale sportliche Durchbruch gelang, wollte sie es unbedingt wissen: Olympia nicht nur erleben, sondern – möglichst siegreich – zu genießen. Kurz vor den Olympischen Spielen in Seoul stieg Kathrin, auf Anraten der Trainer, vom Zweier ohne in den Achter um – eine goldrichtige Entscheidung. Es war für die Mecklenburgerin dann „ein super Gefühl, ganz oben auf dem olympischen Podest zu stehen“. Ihre mecklenburgische Heimat besucht Kathrin aber immer noch.

 

Erfolge und Medaillen auch nach 1996

 

Sehr erfolgreich bei olympischen Ruder-Regatten war ebenfalls die aus Waren-Müritz stammende Katrin Rutschow-Stomporowski – Gold im Doppelvierer 1996, Einer-Bronze 2000 und Einer-Gold 2004.

 

Olympische Ruder-Medaillen-Momente für M-V – Auswahl und Überblick – Zwischen London 1908 und Tokyo 2021

 

dreimal Olympia-Gold für den gebürtigen Rostocker Siegfried Brietzke: 1972 im Zweier ohne, 1976 und 1980 im Vierer ohne

zweimal Olympia-Gold für Katrin Rutschow-Stomporowski, in Waren/Müritz geboren: 1996 im Doppelvierer und 2004 im Einer

zweimal Olympia-Gold 1988 bzw. 1996 für Jana Sorgers (gebürtige Neubrandenburgerin) jeweils im Doppelvierer

Olympia-Gold 1988 und Olympia-Bronze 1992 für Kathrin Haacker (gebürtige Wismarerin) jeweils im Achter

Olympia-Gold 1960 für Karl-Heinrich von Groddeck (gebürtiger Tutower) im Achter

Olympia-Gold 1980 für Ramona Kapheim (gebürtige Straßburgerin) – im Vierer mit

Olympia-Gold 1976 für Anke Borchmann (gebürtige Neukalenerin) im Doppelvierer

Olympia-Gold 1976 für Monika Kallies (gebürtige Stralsunderin) im Achter

Olympia-Gold 1988 für Silvia Rose, in Barth geboren, im Vierer mit

Olympia-Gold 1976 für den gebürtigen Schweriner Michael Wolfgramm im Doppelvierer

Olympia-Gold 1976 für Karl-Heinz Danilowski, Ulrich Karnatz, Werner Klatt, Hans-Joachim Lück und Karl-Heinz Prudöhl im Achter

Olympia-Gold 1980 für Joachim Dreifke (gebürtiger Greifswalder) und Klaus Kröppelien (gebürtiger Rostocker) im Doppelzweier

Olympia-Gold 1980 für Ulrich Karnatz und Ulrich Kons (ASK Vorwärts Rostock) im Achter

Olympia-Gold 1992 für Sybille Schmidt (einst SC Dynamo Schwerin) im Doppelvierer

Olympia-Silber 2016 und 2021 für den gebürtigen Rostocker Hannes Ocik (Schweriner Rudergesellschaft) und auch 2016 für den gebürtigen Bad Doberaner Felix Drahotta im Achter

Olympia-Silber 1980 für Heidi Westphal, in Gnoien geboren, im Doppelzweier

Olympia-Silber 1976 für die heutige Wahl-Schwerinerin Petra Wach im Doppelzweier

Olympia-Silber 1972 für Reinhard Gust (gebürtiger Rostocker) und Eckhard Martens (gebürtiger Bützower) im Vierer mit

Olympia-Silber 1956 für Karl-Heinrich von Groddeck (gebürtiger Tutower) im Zweier mit

Olympia-Silber 1992 für Thoralf Peters (gebürtiger Güstrower) im Vierer mit

Olympia-Silber 1996 für Peter Thiede (gebürtiger Ueckermünder) im Achter

Olympia-Silber 1980 für Cornelia Linse (gebürtige Greifswalderin) im Doppelzweier

Olympia-Silber 1964 für Klaus Aeffke (gebürtiger Neustrelitzer) im Achter

Olympia-Silber 1964 für Karl-Heinrich von Groddeck (in Tutow geboren) im Achter

Olympia-Silber 1964 für Hans-Jürgen Wallberg (gebürtiger Neubrandenburger) im Achter

Olympia-Bronze 1988 für Steffen Zühlke (gebürtiger Schweriner) und Steffen Bogs (gebürtiger Rostocker) im Doppelvierer

Olympia-Bronze 1972 für den gebürtigen Schweriner Manfred Schneider im Achter

Olympia-Bronze 1992 für gebürtige Schwerinerin Annette Hohn im Vierer ohne

Olympia-Bronze 1992 für Hans Sennewald (Olympischer Ruder-Club von 1956 in Rostock) im Achter

Olympia-Bronze 1976 für Joachim Dreifke (gebürtiger Greifswalder) im Einer

Olympia-„Bronze“ 1908 für Bernhard von Gaza (gebürtiger Usedomer) im Einer

Olympia-Bronze 1992 für Dana Pyritz (gebürtige Kühlungsbornerin) im Achter

 

Marko Michels